Grundlagen

Grundlagen der Geldanlage

Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.
Benjamin Franklin

Kapital = Geld x Zeit

Es waren einmal zwei Jugendfreunde, Felix und Max, die sich 1986 im Alter von damals 25 Jahren aus den Augen verloren und heute zufällig wieder treffen. Schnell kommt man ins Gespräch. Beiläufig erwähnt Felix, dass er 1986 noch während des damaligen Börsencrashs trotz mancher Unkenrufe begann, regelmäßig 250 € monatlich in einen breit gestreuten Investmentfonds zu investieren (siehe untenstehenden Chart). Eigentlich hatte er eine Spardauer von 30 Jahren hierfür eingeplant. Doch heute, nach 15 Jahren, spielt er aus familiären Gründen und verblüffenderweise auch aus finanzmathematischen Gründen jetzt ab der ´Halbzeit´ mit dem Gedanken, für die nächsten 15 Jahre zu pausieren. Das heißt, er benötigt zwar das angesparte Kapital jetzt noch nicht, möchte aber zunächst den Investmentfonds mit 250 € monatlich nicht mehr weiter besparen. Zu seinem Frühruhestand mit dem 55. Lebensjahr kann er dann das sich weiter verzinsende Kapital gut gebrauchen. Und das Haus ist bis dahin auch längst abbezahlt. Er geht dabei von folgender Überlegung aus:

  Felix-Variante A
´Pausieren nach der Halbzeit´
Felix-Variante B
´Brav weiter sparen´
Monatliche Sparrate 250 € 250 €
Dauer der Zahlung 15 Jahre 30 Jahre
Summe der Sparraten 45.000 € 90.000 €
Dauer bis zum Ablauf 30 Jahre 30 Jahre
Jährliche Wertentwicklung 10 % 10 %
Angespartes Kapital (gerundet) 420.000 € 520.000 €

Max, der bisher nichts investiert hat, ist sehr verblüfft von Felix’ Ausführungen und denkt sich: “Na, dem werd ich’s zeigen. Ich investiere von heute an nicht 250 €, sondern 500 € monatlich 15 Jahre lang in den gleichen Fonds wie Felix. Dann bekomme ich bestimmt mehr, wie Felix in 15 Jahren - also mehr als 420.000 €.”

Frage - Wie hoch ist Max’ Kapital in 15 Jahren, bei monatlich 500 € Sparrate und angenommener jährlicher Wertentwicklung von 10% (gerundet) ?

1) 840.000 € 2) 420.000 € 3) 200.000 €

Lösung 3)

Warum bekommt Max weniger als die Hälfte wie Felix – ´der Glückliche´, trotz doppelter Beitragssumme? Ganz einfach: K = G x t ! Denn ´K´ ist das Kapital, ´G´ bedeutet Geld und ´t´ bedeutet die Zeit, die für Max unwiederbringlich verronnen war. Die 15 Jahre, die Felix Vorsprung hat, kann Max nicht mehr einholen. Jetzt müsste Max eigentlich noch viel mehr ´G´ investieren, um das verlorene ´t´ wieder auszugleichen. Eigentlich müsste Max jetzt 15 Jahre lang Monat für Monat rund 1.000 € investieren, um mit Felix mithalten zu können. Aber wir sagen Max besser nichts davon, um Ihn nicht zu demotivieren. Denn besser später, als nie investieren. Und jetzt wissen Sie die wahre Geschichte.

Finanzielle Freiheit ist planbar - Wichtige Regeln zur Vermögensbildung

Wie kann man finanzielle Freiheit erreichen, auch wenn man nicht Walton, Gates oder Quandt heißt? So mancher hofft in seinem Innersten, bald reich zu sein. Dies wird uns ja auch durch allerlei Magazine und Bücher aus dem Anlagebereich täglich suggeriert. Doch ist es wirklich so einfach? Wenn Sie heute noch relativ jung sind und nicht als Millionär in den Früh-/Ruhestand gehen, dann gibt es dafür kaum Entschuldigungen – es ist Ihr Fehler! Ein heute 30-jähriger benötigt zum 60. Lebensjahr rund 1 Million €, um sich dann eine monatliche Rente in Höhe von 7.000 € auszahlen lassen zu können, mit der man heute in etwa so viel wie für 3.000 € kaufen könnte. In Abhängigkeit von der noch verbliebenen Zeit müsste dieser 30-jährige monatlich mindestens 500 € zurücklegen, um dieses Ziel zu erreichen. Sie haben die Wahl:

Viel Zeit x Wenig Geld = Vermögen Oder Wenig Zeit x Sehr Viel Geld = Vermögen

Warum eigentlich ´Sehr Viel Geld´ und nicht `Viel Geld` - müsste doch eigentlich reichen? Bedenken Sie, dass sie bei wenig verbleibender Zeit keine Risiken mehr eingehen sollten, und dann können Sie folglich nur relativ bescheidene Zinserträge erwirtschaften. Dies hat wiederum zur Folge, dass Sie durch Zeitverlust doppelt bestraft werden. Sie bekommen noch weniger Zinsen, haben um so weniger Zeit und dürfen dafür später auch noch `astronomische Sparraten berappen`.

Zinsen auf Zinsen - Zinseszinseffekt nicht unterschätzen

Finanzielle Unabhängigkeit ist eine Sache der Eigenverantwortung, des konsequenten Handelns und der Zeit. Investoren müssen die Kraft des Zinseszinses besser nutzen. Selbst bescheidene Sparpläne führen langfristig zum Ziel. Dies ist besonders in jungen Jahren entscheidend. Je länger das Geld investiert ist und je größer der gesparte Betrag, desto stärker kommt der Zinseszinseffekt zum tragen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sie sich von zweifelhaften Vertrieben unrentable Langläufer bis zum ´St.-Nimmerleinstag´, das heißt von mehr als rund 35 Jahren Laufzeit, aufschwatzen lassen sollten.

Gewöhnen Sie sich daran, regelmäßig mindestens 10% Ihres Nettoeinkommens zu investieren. Seien Sie geduldig und lassen Sie Ihrem Kapital Zeit sich zu entwickeln; gleichsam einem Botaniker, der seine Flora beständig gießt, düngt und nicht überschwemmt oder gar verdursten lässt. Motivieren Sie sich mit der simplen Überlegung, dass Ihr Vermögen bei regelmäßiger Besparung alle 10 Jahre, bezogen auf die Summe der bisher investierten Beiträge, um rund 50% wächst. Bei Einmalanlagen geht’s noch etwas schneller. Nur, wer noch nie regelmäßig etwas investiert hat, der kann eigentlich noch nichts zum Einmalanlegen haben.

Was lange währt wird vielfach gut - Spardisziplin entwickeln

Der Millionär in spe muss Konsumversuchungen widerstehen können und stetig an seinem Vermögensziel arbeiten. Vorsätze regelmäßig angewandt, bringen mehr als hochtrabende Absichten, die bei der ersten Flaute über Bord geworfen werden. Bedenken Sie, Taten und nicht Absichten werden belohnt. Sparen Sie regelmäßig an kleinen alltäglichen Dingen, dann haben Sie mehr Luft, um regelmäßig zu investieren, und das ohne größere Opfer in Bezug auf die Lebensqualität. Gerade jüngere Menschen erliegen oftmals der selbstgefälligen Einstellung, dass man später das Leben weniger genießt oder doch bestimmt gar nicht so alt wird. Würden wir alle frühzeitig sterben, wären die gesetzlichen Renten nämlich ´todsicher´ und dieser Artikel wäre teilweise überflüssig. Tatsächlich werden wir aber durchschnittlich mindestens 75 Jahre alt. Und würden ältere Menschen ihr Leben nicht genießen, dann wären bestimmt zahlreiche Anwesen von Mallorca bis hin zu den Kanaren unbewohnt.

Nachteile risikoloser Investments - Kalkulierbare Risiken eingehen

Risikolose Anlagen mit Garantieverzinsung eignen sich als kurzfristige Geldreserve; lieber sichere +5%, als vielleicht +10% oder -10% bei kurzen Laufzeiten. Die geringe Differenz von 17.000 € auf 19.300 € beim Kurzläuferbeispiel (siehe unten) erkauft man sich mit relativ hohem Risiko.

Bei längeren Zeiträumen wirkt sich jedoch eine etwas höhere Wertentwicklung erheblich günstiger aus (siehe unten: Langläuferbeispiel). Das voraussichtlich niedrigere Endkapital bei ´sicherer´ Verzinsung laut folgender Tabelle steht in keinem Verhältnis zu den Chancen bei einer höheren Verzinsung:

Laufzeit Kurzläuferbeispiel
5 Jahre
Langläuferbeispiel
30 Jahre
     
Monatliche Sparrate 250 € 250 €
Jährliche Wertentwicklung 5% 5%
Angespartes Kapital (gerundet) 17.000 € 205.000 €
     
Monatliche Sparrate 250 € 250 €
Jährliche Wertentwicklung 10 % 10 %
Angespartes Kapital (gerundet) 19.300 € 520.000 €

Sie würden auf einer vierspurigen Autobahn doch bestimmt auch nicht mit 30 km/h `dahintuckern`, auch wenn’s hin und wieder mal kracht. Daher sollten Anleger in jungen Jahren langfristige Anlageformen mit Garantieverzinsung eher meiden. Sie sind zu teuer, da jüngere Anleger noch genügend Zeit haben, vorübergehende Kursrückgänge ´auszusitzen´. Laut einer Templeton-Statistik dauerten von 1954 bis 1998 Hochphasen am weltweiten Kapitalmarkt durchschnittlich 45 Monate und Tiefphasen durchschnittlich 12 Monate an. Die Realrenditen (inflationsbereinigte Wertentwicklungen) in diesen Zeiträumen bewegten sich jährlich zwischen –12% und +103% im Durchschnitt.

Eine einfache und bequeme Möglichkeit ist die langfristige und regelmäßige Anlage in einen breit gestreuten Aktienfonds mit Erfahrung, wie zum Beispiel dem Pioneer Fund, dessen beständige Entwicklung sich mühelos seit 1928 nachvollziehen lässt. Die langjährig erfolgreiche Investition eines einzelnen Kleinanlegers in Einzelwerte gestaltet sich im Vergleich zu einer Fondsanlage als eher mühsam und zeitraubend. Es ist unwahrscheinlich, dass ein auch noch so disziplinierter Anleger es über einen langen Zeitraum durchhält, sein Depot erfolgreich zu führen. Wollen Sie sich die Investition in Einzelwerte dennoch antun, dann betrachten Sie’s als spannendes Hobby, zumindest mit Belohnung in Form von Nervenkitzel.

Angenommen, Ihr Großvater hätte 1928 einmalig 1.000$ in Philip Carret’s Pioneer Fund investiert, dann wären Sie heute rund 7-facher Millionär. Übrigens, 1.000$ in 1928 entsprächen inflationsbereinigt einem heutigen Betrag von rund 10.000$:

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Auf die Frage, welche Fehler Einsteiger begehen, antwortete die damals hundertjährige Börsenlegende Philip Carret in einem Interview 1997: “Sie lassen sich zu leicht von Stimmungen beeinflussen und sind zu ungeduldig. Oft verkaufen Sie Wertpapiere schon nach kurzer Zeit, anstatt Gewinne laufen zu lassen. Davon wird nur die Bank, nicht aber der Anleger reich. In meinem Depot finden Sie einige Papiere, die ich seit mehr als 50 Jahren besitze.” Vermeiden Sie ´irrationale Bauchentscheidungen´! Wie Sie obiger Tabelle entnehmen können, benötigen Sie eine mindestens dreistellige Jahresrendite, um kurzfristig das ´große Geld´ zu machen. Und um dies zu erreichen, müsste man entweder Hellseher oder Genie sein. Gemäss dem Spruch ´Gier frisst Hirn´ unterliegt auch ein Neuer Markt folgender vereinfachter Regel:

Hohe Rendite – höheres Risiko – längere Laufzeit
Niedrige Rendite – niedrigeres Risiko – kürzere Laufzeiten

Sie können im Allgemeinen zwei Arten von Risiken eingehen, die differenziert werden sollten: Das Risiko, abhängig von der Dynamik der gewählten Anlageform, und das Risiko, abhängig von der Qualität und Seriosität des Unternehmens, in das Sie investieren. Gehen Sie nur Risiken ein, die sich sehr wahrscheinlich rechnen. Und bedenken Sie, dass Kosten sich nicht verzinsen – für den Anleger! Eine gewisse Besonderheit in diesem Zusammenhang stellt die Kapitalanlage in Form einer Immobilie dar.